Hinter dem Schmerz verbirgt sich eine Nachricht
Sheila Alexander Alich über die Bedeutung der Rituale
„So ziemlich das Schlimmste, was jemanden aus der Urbevölkerung Amerikas zu einer Person sagen kann, ist, er oder sie ‚verhalten sich als hätten sie keine Verwandten‘." Diese Auffassung vertritt Sheila Alexander Alich, Direktor des „FoxFire Instituts of Shamanic Studies" in Colorado. Seine Folgerung: „Wenn wir mit der Einstellung durch das Leben gehen, daß wir keine ‚Verwandten‘ haben, also nicht wahrnehmen, daß wir in Beziehung stehen zu dem, was uns umgibt, verschließen wir uns selbst in einer sehr kleinen Welt, von der aus es uns dann vorkommen kann, als hätten unsere Aktionen keine Auswirkungen auf irgend jemand oder irgend etwas um uns herum". Von dort aus, so Herr Alich, könne es leicht passieren, daß wir den Schaden, den wir der Erde, den Pflanzen, Tieren und Menschen zufügen, übersehen, wenn wir uns selbst nicht als Teil von etwas Größerem wahrnehmen. Gerade diese Wahrnehmung und Identifikation mit der Wirklichkeit geschehe bei den Naturvölkern durch die Rituale. Indem die westliche Kultur allmählich ihre Rituale und Zeremonien eliminiert, richtet sie wahrscheinlich mehr Schaden an, als momentan abzusehen ist. Sheila Alexander Alich hat über Jahre hinweg den negativen Effekt beobachtet, den das Fehlen von Zeremonien und Ritualen auf unsere physische, mentale und spirituelle Gesundheit hat. Auf die Frage, welche Berechtigung Rituale in unserer Zeit noch hätten, wo man doch genauso gut über bestimmte Informationen reden oder nachdenken könne, um zu Erkenntnissen zu kommen, sagt Herr Alich: „Es gibt einen Punkt, von dem aus unser Verstand nicht den besten Weg zum Lernen darstellt. Es gibt ganz einfach Ebenen, zu denen unser Verstand nicht vordringen kann. Es gibt Dinge, über die wir nicht sprechen und uns diese noch nicht einmal vorstellen können." Um diese Ebenen zu erleben, um an einer viel größeren Welt teilzuhaben, deren Heilkraft unser Vorstellungsvermögen möglicherweise sprengt, könnte uns nun die spezielle symbolische Sprache der Rituale helfen. Laut Sheila Alexander Alich führen uns Rituale und Zeremonien aus unserem normalen Alltag heraus, indem sie an einem besonderen „heiligen Platz" stattfinden. Sie erlauben uns, einen Mythos zu durchschreiten und so symbolisch unsere Probleme und Schmerzen, aber auch unsere Freude und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Wenn wir nun zunächst die symbolische Dimension unserer Situation erkennen, können wir diese dann durch unsere Ideen, Gedanken und unsere Absicht in eine Aktion umsetzen und somit analog in Bewegung bringen. Die rituelle Aktion kann dadurch letztendlich eine symbolische Auflösung unserer Probleme und Lebenssituationen darstellen. Sheila Alexander Alich: „ Das Erlernen der rituellen Sprache der Heilung fordert uns dazu auf, uns selbst, sowie die Welt, in der wir leben, anders zu betrachten. Es verlangt von uns wieder symbolisch zu denken und in Betracht zu ziehen, was unsere Handlungen aussagen, während wir durch den Tag schreiten. Der Körper spricht zu uns in Symbolen – der Schmerz ist ein gutes Beispiel dafür. Denn hinter dem Schmerz verbirgt sich in der Regel eine Nachricht, und oft ist dies der einzige Weg für den Körper, mit uns zu kommunizieren. Wenn wir wieder lernen, symbolisch zu denken, können wir darüber mit diesem Teil von uns kommunizieren. Wir können dann eine einfach Zeremonie kreieren, die darauf ausgerichtet ist, uns in die Richtung unserer Heilung zu bewegen".
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