| Zu Beginn unserer
spirituellen Arbeit stehen meist unsere Lehrer, ihre Persönlichkeit und
was wir von ihnen lernen können, im Mittelpunkt unseres Interesses. Ein
guter Lehrer kann unseren Verstand und unser Herz öffnen, uns in neue
Wege der spirituellen Arbeit einführen und uns eine neue Sicht von der
Welt und von uns selbst ermöglichen. Die Beziehung zu ihm oder ihr ist
wichtig für unser Wachstum und unsere Entwicklung, aber sie ist
gleichzeitig sehr komplex und funktioniert nicht immer so gut, wie wir
uns das wünschen. Im Laufe meiner Arbeit im Westen ist mir aufgefallen,
daß es hier keine Vorbilder für spirituelle Lehrer gibt.
Die meisten von uns denken in dem Zusammenhang an ihre Erfahrungen in
der Schule, und leider bereiten uns die Erlebnisse unserer Schulzeit
nicht auf die Arbeit mit einem spirituellen Lehrer vor. Ohne gute und
realistische Vorbilder tendieren wir zu extrem hohen Erwartungen an
unsere Lehrer, z.B. sie werden mir alle Antworten geben, mir helfen
erwachsen zu werden, mein bester Freund, meine beste Freundin sein, mich
nie verletzen und vieles mehr. Wir können sogar Jahre mit der Suche
nach dem perfekten Lehrer verbringen, ohne sie oder ihn jemals zu finden.
Was wollen wir von einem Lehrer oder was glauben wir zu wollen? Sind wir
bereit für einen spirituellen Lehrer? Wie wissen wir, ob es die
richtigen Lehrer für uns sind? In diesem Artikel werden wir uns näher
mit diesem Thema befassen und unsere Einstellungen und Erwartungen
gegenüber Lehrern untersuchen.
Auch wenn du sagst " ich bin jetzt bereit für einen
spirituellen Lehrer", bist du es möglicherweise noch nicht. Wie
bei jeder anderen Beziehung, auf die du dich einläßt, ist es gut zu
wissen, wo du heute stehst und welche Ängste und Befürchtungen du
hast. Zur Klärung dieser Punkte stelle ich meinen Schülern folgende
Aufgaben:
Schreibe eine Liste mit vier Enttäuschungen oder Desillusionierungen,
die du in der Vergangenheit durch deine spirituellen Lehrer erfahren
hast. Was hast du aus diesen Erfahrungen gelernt? Wie haben sie die Art
und Weise geprägt, in der du heute über Lehrer denkst? Bist du offen
dafür, das Risiko neuer Erfahrungen einzugehen?
Was erwartest du von einem Lehrer, einer Lehrerin?
 | Ich brauche einen Lehrer, weil ________ |
 | Ich will, daß mein Lehrer ____________ |
 | Ich will nicht, daß mein Lehrer ________ |
 | Meine größte Angst in bezug auf die Arbeit mit einem Lehrer ist
__________ |
 | Mein idealer Lehrer ist jemand, der ____ |
Wenn wir anfangen wollen, spirituell zu arbeiten, suchen wir oft
zuerst nach dem richtigen Lehrer und gehen ihm oder ihr gegenüber eine
Verpflichtung ein. Meiner Erfahrung nach funktioniert das nie sehr gut,
es kann unser Wachstum manchmal sogar aufhalten. Ich arbeite mit vier
Ebenen, auf denen man eine Verpflichtung eingeht, und meinem Gefühl
nach sollte die Verpflichtung gegenüber dem Lehrer an letzter Stelle
stehen.
 | Auf der ersten Ebene verpflichtest du dich gegenüber dir selbst
und gegenüber deiner spirituellen Arbeit. Das ist der beste
Ausgangspunkt für dich. Schau dir an, was du tust und warum du es
tust. Was ist deine Motivation und wie groß ist dein Engagement dir
selbst gegenüber zur Arbeit an dir selbst? |
 | Auf der zweiten Ebene erweiterst du diese Verpflichtung über dich
hinaus auf Great Spirit, oder wie immer du diese höhere Kraft
nennst. Damit bittest du um Hilfe und erkennst an, daß du ein Teil
von etwas Größerem bist, auch wenn du die Natur dieses Größeren
noch nicht verstehst. |
 | Auf der dritten Ebene versuchst du, einen Weg oder eine Übung zu
finden, die deinem Herzen nah ist. Heute haben wir mehr als je zuvor
die Möglichkeit, uns für Übungsformen aus der ganzen Welt zu
entscheiden. Wenn du eine Übung gefunden hast, von der du glaubst,
daß du sie jeden Tag machen wirst, dann, und erst dann, ist es Zeit,
einen Lehrer zu finden. |
 | Auf der vierten Ebene gehst du gegenüber einem Lehrer oder einer
Lehrerin, die dich bei dem nächsten Schritt auf dem Weg deines
Wachstums unterstützen können, eine klare Verpflichtung ein. Das
kann etwas so Einfaches wie der Besuch einer Abendveranstaltung oder
etwas so Ernsthaftes wie ein Ausbildungsprogramm sein. |
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Bist du schon bereit dafür? Überlege dir noch deine Antworten auf
die folgenden Fragen:
 | Was macht dir am meisten Angst an Veränderungen? |
 | Was genießt du am meisten an Veränderungen? |
 | Was bedeutet es für dich, ein Schüler, ein Lehrling zu sein? |
 | Welche Verpflichtung bist du dir selbst und deiner Arbeit
gegenüber schon eingegangen? |
 | Bist du offen dafür, daß dein Lehrer vielleicht anders ist und
aussieht, als du ihn dir vorstellst? |
 | Bist du bereit, an deinem nächsten persönlichen Wachstumsschritt
mit einem Lehrer zu arbeiten, der höchstwahrscheinlich den Teil in
dir herausfordern wird, der für dich am schwierigsten zu bearbeiten
und anzuschauen ist? |
 | Bist du bereit für Veränderungen, die dein ganzes Leben
betreffen und nicht nur einen isolierten Abschnitt? |
Die "der perfekte Lehrer" - Falle kannst du vermeiden. Der
Wunsch, den perfekten Lehrer zu finden, ist normal, aber es ist
schwieriger als du annimmst, und zwar aus einem Grund, mit dem du
vielleicht nicht rechnest. Wir kommen mit zwei Motivationen zu unserer
Arbeit und unseren Lehrern. Die erste Motivation entspringt aus unserem
Ego oder unseren Gewohnheiten, die es beide einfach nur bequem und
sicher haben wollen. Wenn der Lehrer diese Art der Sicherheit
herausfordert, kann unsere Reaktion darauf sein, ihn nicht mehr als
guten Lehrer anzusehen und uns einen anderen zu suchen. Es kann uns
passieren, daß wir von einem Lehrer zum anderen ziehen, bis wir uns
schließlich mit uns selbst auseinandersetzen und unsere Muster erkennen.
Es ist etwas schwieriger, über die zweite Motivation zu sprechen. Es
geht darum, was unser Geist oder unsere Seele für unser Wachstum will.
Meine Lehrer haben immer gesagt, daß dies der Teil ist, der uns immer
zu genau der richtigen Lernsituation führt. Diese Situationen sind
selten angenehm und immer eine Gefahr für unsere Gewohnheiten. Doch
wenn wir diese Art von schwierigen Erfahrungen durchlebt haben, bleibt
uns davon meist ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit. Wenn du also
nach dem " perfekten Lehrer " suchst, solltest du dich fragen:
"Welcher Teil von mir sucht?"
Wenn meine Schüler auf der Suche nach einem Lehrer sind, empfehle
ich ihnen, sich mit den folgenden Fragen zu befassen:
Kann diese Person mir bei dem nächsten Schritt in meiner Arbeit
helfen? Das ist eine wichtige Frage, die du dir gleich am Anfang stellen
solltest. Hat dieser Lehrer für sich ähnliche Erfahrungen gemacht und
ist er gut durch sie durchgegangen? Hat er oder sie anderen geholfen,
durch diese Erfahrungen hindurchzugehen und nicht darin steckenzubleiben?
Höre nicht nur auf das, was der Lehrer sagt. Spirituelle Arbeit hat,
wenn überhaupt, nur sehr wenig mit unserem Verstand zu tun. Was fühlst
und siehst du im Herzen und im Geist des Lehrers?
Ich sage immer: " Die besten Lehrer lehren uns, wie wir denken
sollen, nicht was wir denken sollen", und das gilt auch dafür, wie
wir arbeiten und lernen sollen. Hast du gelernt, wie du etwas tun sollst,
wird dich das dein Leben lang begleiten. Hast du nur gelernt, was du tun
sollst, überlebt sich das nach einer Zeit.
Sieh dir nicht nur den Lehrer an - sondern vor allem die Schüler
unterschiedlicher Stufen. Unterhalte dich mit Schülern, die mit dem
Lehrer für ein, zwei, fünf oder mehr Jahre gearbeitet haben. Frage sie,
was sie ihnen gefällt und was nicht. Was haben sie gelernt? Wie geht es
ihnen in ihrem Leben - nicht nur in ihrer spirituellen Arbeit? Dies wird
dir mehr als alles andere sagen, was du in den kommenden Jahren von der
Arbeit mit diesem Lehrer erwarten kannst. |