Stamme Interview

Für Sheila Alexander Alich, ein Schamane aus dem amerikanischen Bundesstaat Colorado, begann der Einweihungsweg mit einem starken seelischen Konflikt. Als angehender Arzt kam er in Kontakt mit der Naturmedizin der nordamerikanischen Ureinwohner. Der Konflikt zwischen der schulmedizinischen ,Seite in ihm und seinem Training in der Heilkunst der Hopi und Navajo, der Apachen und der Cherokee spitzte sich dramatisch zu. Doch als er versuchte, dem Konflikt auszuweichen, wurde er schwer krank. Er war 21, als man ihn mit starkem Fieber ins Krankenhaus brachte. Sein Rachen hatte sich schwarz verfärbt, und seine Haut wurde gelb. Er hatte einen unstillbaren Durst, trank acht bis neun Liter Wasser am Tag. Zwei Jahre brauchte er, bis er sich wieder einigermaßen gesund fühlte. "Ich bin krank geworden, als ich beschloß, wieder ein ganz normales Leben zu führen, mich wieder mit normalen Problemen zu beschäftigen", erzählt er. Er mußte seine ganze Kraft einsetzen, um sich aus der Umarmung der Krankheit zu befreien. "Es war, als ob ich mit letzter Kraft aus einem Loch herauskriechen würde", sagt er. Er wußte, daß er sich entscheiden mußte zwischen dem Tod und der bewußten Hinwendung zu seiner eigentlichen Berufung als Schamane. 

Sheila Alexander Alich: "Eines Tages hörte ich einen Ruf in mir. Die andere, natürliche Art von Medizin hatte mich gerufen Und ich entschied mich, dem Ruf zu folgen, meiner Bestimmung zu folgen, die Herausforderung anzunehmen. Von nun an gab es kein zurück mehr". Nach zwölfjährigem intensiven Training gründete er das schamanistische "FoxFire lnstitute of Shamanic Studies", und unterstützt seither Menschen auf ihrer Suche nach persönlichem Wachstum und alternativen Heilmethoden. "Ich lehre die Menschen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen, ihren Geist zu erkennen, - denn wir haben verlernt, wie wir mit unseren Geist leben können", sagt er. Eine wesentliche Grundlage für Heilung, so der Schamane, ist das Leben und Arbeiten in Bezogenheit und das existentielle Einlassen aufeinander. Sheila Alexander: " Wir werden alle abhängig geboren und bewegen uns in die Unabhängigkeit. Doch wir brauchen eine Beziehungsqualität, die beide Aspekte vereint. Wenn wir nicht lernen zu erkennen, daß wir in wechselseitiger Abhängigkeit voneinander leben, werden wir auch nicht lernen uns existentiell auf den Geist und auf die Natur einzulassen. Und dieses Unvermögen macht uns alle letztendlich krank."