LONG WALK HOME – ein sehr berührender und absolut sehenswerter Film
Australien, Mitte der 90er Jahre setzte die damalige linke Labour-Regierung eine
Kommission für Menschenrechte und Gleichberechtigung ein. Die Kommission sollte
die jahrhundertelang andauernde Unterdrückung der Aborigines und der damit
verbundenen Verbrechen untersuchen. 1997 gab die Kommission einen Bericht ab,
mit dem Titel “Bringing Them Home”. Daraus geht hervor, daß von 1910 – 1976 ca.
100.000 Kinder aus ihren Familien verschleppt wurden, in der Mehrzahl sogenannte
Mischlingskinder. Jede Aborigine-Familie war davon betroffen und die
Auswirkungen dieser Verbrechen sind in den Familien und Gemeinschaften bis heute
spürbar. Die entführten Kinder wurden in staatliche oder kirchliche Heime
entführt, sie wurden zwangschristianisiert, durften ihre Sprache nicht sprechen
und sollten so erzogen werden, daß sie später als billige Arbeitskräfte dienen
konnten. Durch diese Zwangsassimilierung und die geplante immer weiter gehende
Vermischung mit weißem Blut, sollten die Aborigines letztendlich ausgelöscht
werden.
Die Kommission empfahl der australischen Regierung sich ausdrücklich bei den
Aborigines für das erlittene Unrecht zu entschuldigen und außerdem
Entschädigungs-zahlungen in Höhe von 63 Millionen $. Diese wurden nur teilweise
geleistet. Eine Entschuldigung fehlt bis heute.
Der Film spielt 1931 in Jigalong. Der Chief Protector of Aborigines war der
gesetzliche Vormund aller Aborigines, auch der Erwachsenen. Aufgrund seiner
Entscheidung wurden
auch die 14-jährige Molly, ihre jüngere Schwester Daisy und ihre Cousine Gracie
gewaltsam ihrer Familie entrissen und in das Camp More River entführt, 1.500
Meilen von zu Hause entfernt. Der Film schildert die Entführung und die Flucht
der drei Mädchen aus dem Camp und ihren langen Weg nach Hause. Es gibt viele
Versuche, sie wieder einzufangen. Ihre Flucht führt sie durch den Busch, durch
die Wüste, bei Sturm und Regen und unerträglicher Hitze, ständig von Hunger und
Durst geplagt. Der Mut, die Stärke, der Überlebenswillen und die Würde dieser
Mädchen sind nahezu unglaublich.
Mollys Tochter Doris Pilkington (deren Aborigine-Name Nugi Garimara lautet) war
später selbst Opfer dieser Verschleppungen. Sie hat die Geschichte ihrer Mutter
in einem Buch verfasst, daß in Australien 1996 veröffentlicht wurde, ein Jahr
vor dem Bericht der Kommission. Dieses Buch ist heute Pflichtlektüre an den
australischen Schulen.
Es ist auf deutsch als Rowohlt-Taschenbuch erschienen.
- Reviewed by Bixi Erhardt