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Erfahrbarer Schamanismus: Zum Herzen der Arbeit zurückkehren
Als ich 1993 nach Berlin eingeladen wurde,
war das Gebiet des Schamanismus nahezu unbekannt. Sehr wenige Bücher behandelten
das Thema und die Leute, die ich traf, waren interessierter an Erfahrung als an
Diskussion. Für viele war es eine aufregende Zeit des Lernens und Erwachens.
Viel ist seitdem geschehen. Traurigerweise ist das Image dessen, was
Schamanismus zu sein hat, gewachsen und hat seine eigenen Stereotypen erschaffen,
die viele Menschen festgefahren und verwirrt zurücklassen. Da der Spirit dieser
Arbeit durch Erforschung und die Lösung von Problemen lebendig bleibt, verlangt
es von uns, geistig offen und flexibel zu bleiben. Ich würde gerne einige meiner
Erfahrungen mit Euch teilen, in der Hoffnung, dass wir alle unseren Weg zurück
zum Herzen und der Schönheit dieses Weges finden.
Was ist Erfahrbarer Schamanismus?
Erfahrbarer Schamanismus ist eine sich entwickelnde Arbeit,
weil sie nicht von dem und von denjenigen, dem/denen sie dient, getrennt werden
kann. Da unsere Umwelt und wir als Menschen uns immer verändern, tut es das
Gebiet des Schamanismus ebenso. Während Schamanismus selber schwierig direkt zu
definieren ist, mögen wir zuerst das anschauen, was hilft, es einzigartig
gegenüber anderen Arbeitsgebieten zu machen.
Schamanen, oder ihre heutigen Entsprechungen, Schamanisch
Praktizierende, spezialisieren sich in Angelegenheiten des Spirit. Spirit ist
die Lebenskraft, die uns mit allem um uns herum verbindet und vor allem mit
etwas, das grösser ist, als wir selbst es sind. Es lebt in jeder Person und
jedem Ort auf diesem Planeten. Obwohl Spirit normalerweise stark und robust ist,
kann es durch Krankheit, Vernachlässigung oder Trauma verletzt werden. Pflege
und Heilung dieser besonderen Kraft ist die Spezialität der Praktizierenden. Da
sie das grössere Bild anschauen, um herauszufinden, wo das Ungleichgewicht
entstanden ist, müssen sie nicht nur das Individuum ansehen, sondern auch die
Gemeinde/Gemeinschaft.
Es ist dann ihre Aufgabe, mit ihren Helfer-Spirits und den
Spirits des Landes zu kommunizieren, um etwas über das Ungleichgewicht
herauszufinden und Wege zu finden, Frieden und Stabilität wieder herzustellen.
Während dies zuerst abstrakt klingen mag, kann es auf Situationen angewendet
werden, in denen eine nicht diagnostizierbare Krankheit eine Person befallen
hat, oder auf einen Ort, an dem jene, die ihn besuchen, krank werden oder sich
unwohl fühlen.
Um diese Ebene der Kommunikation mit Spirit zu erreichen, ist
es für die/den Praktizierende nötig, sich in einen Zustand der Trance oder
Ekstase zu versetzen. Historisch dauerte es Jahre, die Kunst, unser tägliches
Denken zu verlassen und zurückzukehren zu erlernen, und Jahrzehnte, sie zu
vervollkommnen. Ein Teil des Grundes dafür war nicht nur die intensive
persönliche Arbeit und Heilung, die getan werden musste, sondern es brauchte
auch die Fähigkeit, stark genug zu sein, um während des Prozesses bewusst zu
bleiben. In Ekstase oder Trancezustände darf sich nicht leichtfertig begeben
werden und es muss immer einen Weg geben, zurückzukehren. Am wichtigsten
ist,dass es als erstes einen klaren Grund geben muss, um [in Trance] zu gehen.
Die Wichtigkeit von Gemeinschaft und Deiner Gabe
Traditionell dienten Praktizierende einer Gruppe oder
Gemeinschaft û es gab andernfalls ganz einfach keinen Grund für sie. Am
Anfang,wenn ein Schüler oder eine Schülerin mit mir arbeiten will, mag es sein,
dass ich frage: "wer ist Deine Gemeinschaft? Wie hast Du vor, ihnen zu dienen?"
Wir alle haben Gemeinschaften, deren Teil wir sind. Die Herausforderung ist,
unsere Gabe zu kennen und die bewusste Entscheidung zu treffen, mit ihr zu
arbeiten.
Alle sind mit einer Gabe oder einer Aufgabe für ihr Leben
geboren. Deine Gabe ist nicht unbedingt das, was Du tust, sondern statt dessen
das, was Du mitbringst, um es zu teilen, das, was Deinen Spirit oder Dein Wesen
einmalig macht. Einen Weg zu finden, unsere Gabe zu manifestieren oder in eine
Form zu bringen, ist eine Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen.
Zu beachtende Fallen bei heutiger schamanischer Arbeit:
Drogen: Heutzutage wird Schamanismus schnell mit dem
Konsumieren von Drogen in Verbindung gebracht. Persönlich macht mich dieses
Phänomen sehr traurig. Während einige Stammeskulturen "Lehrer-Pflanzen" benutzen,
um Zustände der Ekstase zu erreichen, sind die Grundlage und das Gleichgewicht
dafür aus der westlichen Kultur schon lange verschwunden. Die gute Neuigkeit ist,
dass es viele Wege gibt, in Trance zu arbeiten, die nicht illegal oder
zerstörerisch für unsere Körper sind. Trommeln, Tanz und Gesänge sind gute
Beispiele dafür.
Schamanismus nur für Dich: Während wir alle unsere persönliche
Arbeit und unser Wachstum fortsetzen müssen, ist es wichtig, sich zu errinnern,
dass schamanisch Praktizierende einer Gemeinschaft dienen - nicht sich selbst.
Dein eigenes Land zu verlassen, um spirituell zu sein: Für
viele besitzt der Gedanke, in der BRD zu bleiben, um zu lernen und zu arbeiten,
nicht viel Anziehungskraft. Andere Länder und Traditionen rufen uns, sie zu
besuchen und zu lernen. Das Plus daran ist, zu sehen, was in unserer eigenen
Kultur fehlt. Die Herausforderung ist, wie wirst Du anwenden, was Du gelernt
hast, wenn Du nach Hause kommst? Wie wird dies diesem Land und den Leuten und
den Spirits, die hier leben, nützen? Erinnere Dich, die tägliche Arbeit der
Spiritualität ist herausfordernd, wo auch immer Du lebst.
Ultimativ erfordert erfahrbarer Schamanismus von uns, zu
lernen, indem wir unsere eigene Erfahrung mit etwas machen, das grösser ist als
wir selbst. Idealerweise willst Du einen Lehrer oder eine Lehrerin finden, die
Lernumgebungen und Situationen schaffen wird, die Dich herausfordern, zu wachsen,
zu heilen und Dich auszudehnen. Das ist selten eine bequeme Situation und sie
kann Dich manchmal an Deine Grenzen führen. Es heisst auch, zu lernen, wie Du
das, was Du gelernt hast, anwenden kannst, um der Erde und denen, die auf ihr
leben, zu nützen. Als letztes ist es wichtig, sich daran zu errinnern, dass es
kein Instrument für sich alleine ist, sondern eine Art zu leben.
S.A. Alich arbeitet seit 1979 auf dem Gebiet des
erfahrbaren Schamanismus. Jedes Jahr arbeitet er mit einer kleinen Gruppe von
Schülern und Schülerinnen, um ihnen zu helfen, eine Grundlage für ihre
schamanischen Praktiken zu bilden und ihre Gabe der Arbeit zu finden.
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